Eine kleine Zigarrenschule:

Die Tabak- und Zigarrenproduktion

In der Kunst der traditionellen Zigarrenproduktion hat sich in über 100 Jahren nichts verändert. Eine handgefertigte Zigarre ist als Premium-Produkt für einen Zigarrenliebhaber Grundvoraussetzung für den ultimativen Genuss.

Die Felder, auf welchen die Bauern unseres Rohtabaklieferanten ihre Saat bestellen, liegen im Cibao Tal, unweit der Stadt Santiago de Los Caballeros. Hier findet man die perfekte Kombination aus Boden, Temperatur und Regenfällen, die dafür Sorge tragen, dass daraus mit den edelsten, langblättrigen Einlage- und Umblatt-Tabaken Premium Zigarren hergestellt werden können. Der aus Cuba stammende Piloto Cubano (das Saatgut haben Castro Flüchtlinge in die Dominikanische Republik gebracht) und der Dominikanische Olor Seco sind die verarbeiteten Tabake unserer Filler und Binder (Einlage und Umblatt). Das Deckblatt (Wrapper) kommt ausschließlich aus Connecticut, USA.

Die Aussaat des Setzlings in das Freiland erfolgt nach ca. 6 Wochen Kultivierung in geschützten Kästen, im Monat September oder Oktober. Die Ernte erfolgt ca. im Februar des folgenden Jahres. Unsere Bauern ernten nur den ersten Wuchs der Pflanze und diesen in mehreren „Pflückungen“ (Erntedurchgängen).

Für die Verarbeitung der Chambrair Zigarren kommen im Wesentlichen die mittleren Blätter der Tabakpflanze in Frage:

Das sind bei der Olorpflanze, welche ca. 2,10 m hoch werden kann, 14 Blätter welche gebraucht werden können. Diese werden in die Kategorien A, FF und F unterschieden. Die Sandblätter, auch Criollo genannt (unten) sind zu ausdrucksschwach und werden nicht verarbeitet. Die Spitze Picadura genannt wird auch nicht verwendet, sondern von der Blüte nur die Samen für die nächste Aussaat gesammelt. Von den Ligeroblätter (oben), welche sehr ausdrucksstark sind, werden nur die mildesten Blätter verwendet. Bei der Piloto Cubano Pflanze, welche ca. 1,65 m hoch werden kann, gibt es 12 Blätter welche für unsere Zigarrenproduktion verwandt werden. Diese werden Centro, Corona oder Ligero genannt. Auch hier werden die Bodenblätter Libre Pie genannt nicht zur Zigarrenproduktion verwandt sondern von der Zigarettenindustrie verarbeitet.

Heftige Niederschläge und Temperaturabfall sind Auslöser für den Befall von Blauschimmel, der sich auf die gesamte Ernte ausbreiten kann. Einzig Schädlingsbekämpfungsmittel sind der Schutz gegen diese Plage. Die Böden unserer Tabakfelder werden nur für zwei aufeinander folgenden Jahrgänge genutzt, danach wird er alternativ kultiviert. Hurrikans und wechselhaftes Wetter sorgen für quantitativ und qualitativ ungleichmäßige Jahrgangsernten.

Nach der Ernte werden die einzelnen Tabakblätter nach Größe und Struktur sortiert und einzeln auf Fäden (Palmenbänder) gezogen und in Holzhütten (Ranchos) auf dem Feld zum Trocknen aufgehängt. Während der Dauer von ca. acht Wochen werden die Tabakblätter, vom Wind bewegt, getrocknet und verändern sodann ihre Farbe von grün zu braun. Danach werden sie in Säcken zur weiteren Verarbeitung transportiert. Zunächst werden die Tabakblätter zu großen, rechteckigen, ca. 120 cm – 150 cm hohen Haufen (Burros) gestapelt. Während dieses Fermentationsprozesses entwickeln sie eine natürliche Hitze von bis zu 60 °C. Der Tabak muss ständig umgehäuft werden, damit er nicht überhitzt. Bei dieser, ca. acht Wochen andauernden, chemischen Reaktion werden Bitterstoffe, Nikotin, und Ammonium-Nitrat ausgeschieden. Durch das Schwitzen des Tabaks wird die Farbe dunkler und die Stärke des Tabaks verwandelt sich in Zucker.

Im Anschluss daran werden die Tabakblätter nach Größe, Farbe, Qualität und Stärke sortiert und entrippt. Hierbei wird der mittlere Strunk der Pflanze entfernt. Die entrippten Tabakblätter werden ein zweites Mal zur Fermentation aufgestapelt und dabei befeuchtet. Die Umgebungstemperatur in diesen Hallen ist natürlich und beträgt ca. 30 °C. Es existiert eine Luftfeuchtigkeit von ca. 85 %. Nach dem Fermentationsprozess werden die Tabakblätter natürlich durch die Luft getrocknet und in Ballen verpackt. Während der Lagerung dieser Ballen von 6 bis zu 15 Jahren macht der Tabak weitere kleine, milde Fermentationsprozesse durch und reift bis zur Verarbeitung zur Zigarre.

Je nach Größe und Melange (Liga) der Zigarre werden die Tabake aus verschiedenen Jahrgängen zur Zigarrenverarbeitung an die Tabacalera weiter gereicht. In besonders guten Jahren (wie beim Champagner) werden Jahrgangszigarren produziert, welche in der Regel aus sehr reifen und intensiveren Tabaken gewickelt werden.
Vor der Zigarrenproduktion werden die Tabake mit einem Wasserzerstäuber befeuchtet, damit sie gut verformbar sind. Die Einlage einer Zigarre wird leicht gefaltet, damit ein einwandfreier Zug gewährleistet ist. Durch diesen so genannten Ziehharmonikawickel entstehen die Zugkanäle der Zigarre.
Je nach Zigarrentypus wird der Anteil von Piloto Cubano und Olor Dominicano präzise festgelegt. Je nach Stärke und Ausdruck werden Anteile von Seco (unterer, milderer) und Ligero (oberer, ausdrucksstarker) Teil der Pflanze vermengt.

Da unsere Zigarren in traditioneller Handarbeit gefertigt werden, müssen die Dreher (Torcedores) besonders viel Erfahrung haben. Je größer und individueller die Form der Zigarre, umso wichtiger sind die Fähigkeiten des Drehers. Dieses spiegelt auch den sozialen Stand wieder. Die mit dem Umblatt versehenen Einlagen werden in eine Presse (Bonges) gelegt damit sie ihre Form bekommen. Nach ca. 2 Stunden wird das Deckblatt umgelegt und mit einem Naturkleber und einer Kappe am Zugende versehen. Die aus Connecticut, USA stammenden Deckblätter werden im Schatten gezogen und haben daher eine feine gleichmäßige Struktur und Farbe.

Die Zigarren werden entsprechend der Länge am Brandende geschnitten, gewogen und auf Fehler kontrolliert. Sie werden sodann nach Farbe sortiert und in einer Menge von 20 Stück gebunden. Die größten Feinde des Tabaks und der Zigarren sind neben dem Blauschimmel, die weiße Fliege und der Tabakkäfer. Um die möglichen Larven der Tabakkäfer ab zu töten, werden die Zigarren für die Dauer von 6 Tagen bei -25 °C eingefroren.

In Reiferäumen lagern die Zigarren anschließend weitere 3 bis 6 Monate, ehe sie mit einer Bauchbinde versehen, in Zedernholzkisten oder cellophaniert verpackt werden. Nach Anbringung des Chambrair Qualitätssiegels welches unter Aufsicht von Offiziellen Zollbeamten angebracht wird, werden die Zigarren vor Kälte und Wärme isoliert verpackt auf dem Luftweg nach Deutschland befördert. Hier reifen sie in dem Chambrair Steuerlager bei gleichen klimatischen Bedingungen wie in der Dominikanischen Republik bis zu dem Tag, an dem sie zur Lieferdisposition für den Kunden abgerufen werden.

Die Bauchbinde

Eine Zigarre hat einen Kopf, den man in den Mund nimmt, einen Fuß, den man anzündet und einen Bauch, den eine Bauchbinde (ein Zigarrenring) umschließt.
Die Bauchbinde ist neben dem Deckblatt die Visitenkarte der Zigarre.

Die Idee, eine Bauchbinde um die Zigarre zu legen stammt ca. aus dem Jahr 1850 mit dem Ziel, sich von der Konkurrenz zu unterscheiden. Mit der damaligen Verbreitung der Lithographie war es leicht möglich, diese Papierringe farbig zu bedrucken.

Nahezu täglich entstanden neue, farbenfrohe Kunstwerke mit auffälligen Symbolen, Schriftzügen oder Namen (Private Brands), um eine Zigarre unverwechselbar oder individuell zu gestalten.
Eigentlich keine Frage, ob eine Zigarre mit oder ohne Bauchbinde geraucht werden sollte.
Sollte man die Bauchbinde lösen wollen, so riskiert man die Verletzung des dünnen Deckblattes. 
Möchte man dennoch eine anonyme Zigarre genießen, so warte man, bis sich der Tabak erwärmt hat und damit auch der Pflanzenleim, mit dem die Bauchbinde geklebt wurde.

An dieser Stelle eine Bitte an Sie:
Eine Chambrair Bauchbinde lässt man dran!

Die Formate und die richtige Zigarre zum richtigen Zeitpunkt:

Jede Zigarre hat ihre Tageszeit. Je milder der Geschmack, um so früher der Morgen. Je voller der Körper, umso mehr eignet sie sich für den Abend. 
Persönlichkeiten, die Zigarre rauchen, strahlen fast immer ein gesundes Selbstvertrauen aus.
Die Zigarre war stets ein Synonym für Romantik, Kunst und Idealismus und sie war immer wenigen Privilegierten vorbehalten. Als Statussymbol und Mythos entdeckte aber erst das neunzehnte Jahrhundert die Zigarre und entführte sie in ihr erstes goldenes Zeitalter.

Von Victor Hugo bis Otto von Bismarck verkörperte die Zigarre Glück und Unglück einer Zeit, die von Aufbruchstimmung und Goldgräbermentalität, aber auch von Irrungen und Wirrungen geprägt war.

Gestandene Männer und herausragende Frauen rauchten Zigarren und umgaben sich so mit einem Hauch von Macht und Noblesse. Wer die Kunst des Zigarrenrauchens beherrscht, weiß auch, wie man Entscheidungen trifft. Die Zigarre war stets zur Stelle, wenn es darum ging den Sieger zu feiern, aber auch, um dem Besiegten ein Stück Würde wieder zu geben.

Man greift nicht nach irgendeiner Zigarre. Eine Zigarre wird im richtigen Moment, je nach Tageszeit, Stimmung und verfügbarer Zeit ausgewählt. Nach dem Diner ist zwar vor dem Diner, aber zum Digestif und zum Ausklang des Abends ist eine großformatige Zigarre eher angebracht als ein Petit Corona Format.

Man wählt die Zigarre entsprechend des Anlasses, der Begleitung, ihrer Ausdruckskraft und ihrer Provenienz aus.

Wie bei anderen schönen Dingen des Lebens sollte der Genuss nicht durch Regelwerke beschränkt sein, so dass der Connaisseur für sich frei entscheidet, welches Format und welche Geschmacksrichtung im Moment Freude bereiten soll.

Die Rituale

Seit über fünfhundert Jahren wird die Zigarrenkultur gepflegt und immer wieder gab es Zeitgenossen, die den Genuss von Zigarren als einen vorüber gehenden Modetrend ausmachten. Dennoch galt das Zigarrenrauchen stets als schick, kultiviert, gar etwas Besonderes.

Beim Auswählen einer Zigarre achtet man auf die Farbnuancen und befühlt die Zigarre.
Eine gut gelagerte Zigarre hat eine gewisse Elastizität und kann einen gewissen Druck aushalten. Ist sie zu hart, ist sie auch zu trocken.
Am Geruch der noch kalten Zigarre erkennt man die Kraft und das Aroma des Tabaks.
Nahezu alle Zigarren kann man mit unterschiedlichen Instrumenten anschneiden. Man unterscheidet den Flachschnitt, Kerbschnitt und die Bohrung.
Je nach Belieben muss der Schnitt oder die Bohrung mit einem scharfen Schneider erfolgen, ohne das Deckblatt zu verletzen.

Zum Anzünden der Zigarre eignet sich die Flamme eines langen Streichholzes oder die Flamme eines Gasfeuerzeuges. Man hält die Zigarre an und nicht in die Flamme, dreht sie langsam, damit sich die ganze Brandfläche langsam erwärmt und sich die Glut entwickelt.

Mit ruhigen Zügen, ohne zu inhalieren, kann man sich dann dem Genuss hingeben. Für den Genuss einer Zigarre braucht man Zeit, nur so findet man Entspannung. Halten kann man die Zigarre wie man will, auch wie Churchill, ständig im Mund. Es muss nur passen und man sollte sich dabei wohl fühlen.

Die Asche bleibt bei Longfillern lange stehen und kühlt den Rauch etwas. Übereifer, sie möglichst viele Zentimeter zu halten, wird manches Mal bestraft. Sie wird am besten leicht über den Aschenbecherrand abgestreift.
Gute Zigarren kann man auch wieder anrauchen. Die Asche wird vollständig abgestreift und die Zigarre über der Flamme gedreht bis sie wieder anspringt. In der Regel bietet eine gute Zigarre bis in das letzte Drittel Genuss. Dann muss man entscheiden, wann man sie ablegt. Wird sie nicht mehr beachtet, erlischt sie von selbst.

Die Begleiter… Weine, weiße und braune Brände, Cafe, Tee:

Die Wahl der Zigarre zu Malt Whisky, Cognac, Armagnac, Rum oder anderen Bränden ist für jeden Aficionado eine selbstverständlich höchst persönliche Angelegenheit, auch abhängig von der Verfügbarkeit.

Der Struktur und der Expression der Aromen der Spirituose entsprechend, schmecken und passen Zigarren dazu mehr oder weniger harmonisch.

Ältere Jahrgangschampagner und reife Chardonnays z. B. passen sehr gut zu leichten, cremigen Zigarren. Volle, reife, fruchtige und nicht tanninbeladene Rotweine gehen hervorragend mit kräftigen Großformaten. Als Digestif empfehlen sich besonders Holzfassgereifte Brände, Rum, Port, weniger klare Obstbrände.
Der persönliche Geschmack ist der Wegweiser. Zunächst sollte man alles einmal ausprobieren…

Einige Beispiele:

Eine kräftige Zigarre erschlägt einen feinen Wein. Voluminöse, bouquetreiche Weißweine und reife Rotweine harmonieren im Allgemeinen mit einer charmanten Zigarre. Im Besonderen jedoch Süßweine. Ein großer Sauternes oder Vintage Port kann sich ideal mit einer feinen Zigarre vermählen.

Ein Malt, der die Nase mit Duft und den Geschmack mit Süße verwöhnt, ist ein Fall für eine charmante Elegance, deren feiner Duft die geschmeidigen Aromen vereint.
Ein großer Malt, herrlich aromatisch mit eleganter Strenge steht auch gegenüber einer kräftigen Robusto im Vordergrund.

Ein großer, wuchtiger spanischer Brandy mit viel Frucht und Süße steht über zwei Stunden in großer Harmonie mit einer Hardy Rodenstock im Churchill Format.
Kaffee ist ein klassischer Begleiter der Zigarre und kann als Cappuccino oder Milchkaffee ein kräftiges und volles Aroma im Format einer Plaisir geschmacklich perfekt ergänzen.

Tee, ein Aufgussgetränk, welches die Sinne beruhigt und der Entspannung dient, harmoniert wunderbar mit einer seidigen Finesse oder Faible.

Chambrair Zigarren


























Chambrair Zigarren


























Chambrair Zigarren

























Chambrair Zigarren

























Chambrair Zigarren


























Chambrair Zigarren
























Chambrair Zigarren